Verändert sich das Sinnerleben nach einer Nahtoderfahrung?
Qualitative Erforschung aus der Sicht von Betroffenen
Zusammenfassung
Die internationale, vor allem quantitative Forschung hat in den letzten Jahrzehnten schwerpunktmäßig die Auswirkungen von Nahtoderfahrungen (NTE) auf das nachfolgende Leben der Betroffenen, ihre persönlichen und beruflichen Werte untersucht. Allerdings liegen weder in Deutschland noch international Studien dazu vor, die sich fokussiert damit auseinandersetzen, ob und wie genau sich das Sinnerleben nach einer NTE verändert. Daher war es das Ziel dieser Untersuchung, Nahtoderfahrene mittels qualitativer Interviews zu befragen, um ein tiefergehendes Verständnis dieser komplexen Thematik zu ermöglichen. Die Daten von N=8 Teilnehmenden wurden mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse deduktiv ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Nahtoderfahrungen teilweise erstmalig eine Sinnsuche auslösten, was zu einer Abnahme materieller und Zunahme ideeller Werte führte. Letzteres beeinflusste fast alle anderen Sinn- und Lebensbereiche der Teilnehmenden, wie etwa ihre Sinnquellen im Alltag, Lebensaufgabe/-bestimmung, Selbstfürsorge, soziale Begegnungen und den Sinn des Lebens. Zudem gaben die Teilnehmenden Empfehlungen für Menschen mit Sinnfragen. Ebenfalls enthält der Ergebnisteil eine introspektive Reflexion der Interviewerin zu den Auswirkungen der Studie auf ihr Leben. Trotz ihrer Limitationen gibt diese qualitative Studie einen inhaltsreichen Einblick in die Veränderung von Sinnerleben nach Nahtoderfahrungen und bietet so eine fundierte Basis für die zukünftige Forschung. Auch (Psycho-)Therapeutinnen und Therapeuten, Patientinnen, Patienten sowie „Sinninteressierte“ können wertvolle Anregungen und Hilfestellungen finden.
